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Dicke Alteichen fielen um wie Streichholzschachteln

Wirbelsturm zog über Recker Moor / Schäden an der Straße “Am Wall”

Recke. Ein mächtiger Wirbelsturm zog am Freitagabend gegen 17.45 Uhr aus östlicher Richtung kommend über das Recker Moor und entwurzelte vier dicke Eichen an der Straße Am Wall. Augenzeugen berichten sogar von einem kleinen Tornado. Ganze zehn Sekunden hat der Spuk gedauert, schilderte Adelheid Brüggemeier, die an der Neuenkirchener Straße wohnt. Zusammen mit ihrem Sohn Martin war sie gerade im Stall tätig, als sie den Sturm heranbrausen hörte. "Gigantisch", so die Augenzeugin. "Erst sah es so aus, als würde der in kegelförmiger Auswirkung auf uns zukommende Sturm uns treffen." Doch dann sei der Wirbelsturm abgedreht und habe die vier Eichen umgelegt. Und dann war alles vorbei. "Ich hatte richtig Angst", sagte Brüggemeier. "Denn vor Jahren hatten wir schon mal diese Situation. Damals hat uns ein Tornado die Scheunentür ausgehängt und aufs Dach geschleudert. Der Garten war total zerstört. Ganze drei Wochen waren mein Mann Alfred und ich damit Recke 1 (IVZ)beschäftigt gewesen, den Schaden wieder zu beheben. Gott sei Dank ist der Kelch jetzt an uns vorübergegangen." Augenzeuge Franz Hülsmeier schilderte das Geschehen gegenüber unserer Zeitung folgendermaßen: "Ich stand auf dem elterlichen Hof und war gerade mit Füttern der Tiere fertig. Da hörte ich aus Richtung Rothertshausen einen Wirbelsturm auf uns zukommen. Dort war es auch sehr dunkel und am regnen. Der Wirbelsturm kam immer näher und hatte wohl seine größte Kraft hier ungefähr 500 Meter vor dem Haus. Auf einem Maisfeld wirbelte er Sand hoch. Es sah aus wie in einer Sandwüste. Plötzlich drehte der Wirbelsturm ab in Richtung Eichenallee Alkemeyer, Am Wall 66. Und ich traute meinen Augen nicht: Plötzlich fielen mehrere Eichen um wie Streicholzschachteln", so der 37jährige. "Ich bin ins Haus gerannt undhabe es meinen Eltern erzählt. Die wollten es nicht glauben und haben sich dann selbst mit einem Blick aus dem Fenster von der Lage am Wall überzeugt. So etwas habe ich noch nie gesehen. Und ich war auch froh, als der Sturm Richtung Kowallbrücke zog, immer schwächer wurde und plötzlich alles vorbei war. Mehrere Minuten hat der Spuk gedauert. Das hat mir auch Dion Goecke, selbst Mitglied der Recker Wehr, am Samstag geschildert."

(Original-Artikel “Ibbenbürener Volkszeitung” vom 07.06.2004)

 


 

Kleiner Tornado beschäftigt Kachelmann

Wetterstation Schlickelde notierte Phänomen

Recke/Mettingen. "Wie gebannt" habe er den Bericht über den kleinen Tornado bei Recke gelesen, teilt Andre Hergemöller von der privaten "Wetterstation Mettingen-Schlickelde" mit. Auch er habe das Naturphänomen miterlebt, wenn auch aus vier Kilometern Entfernung. Hergemöller sah um 17.40 Uhr zerfetzte, leicht schlauchähnliche Wolkenstrukturen, die sich sehr rasch veränderten und unten aus der vorbeiziehenden Gewitterzelle heraushingen". Der Griff zur Digitalkamera kostete ihn jedoch etwa zwei Minuten wertvolle Beobachtungszeit. So gelangen dem Hobby-Meteorologen um 17.42 Uhr, also etwa kurz nach den Zerstörungen beim Recker Moor, Bilder, "die mit großer Wahrscheinlichkeit die letzten Reste vom Rüssel des sehr wahrscheinlichen Tornados - dem wissenschaftlich korrekten Ausdruck für "Windhose"- zeigen." (Anm. d. Red.: Auf einen Abdruck an dieser Stelle wird verzichtet, da die Aufnahmen in der Schwarz-Weiß-Wiedergabe jegliche Aussagekraft verlieren.) Die Fotos, zugehörige Niederschlagsradar-Bilder, eigene Messdaten und Augenbeobachtungen sowie den Artikel in unserer Zeitung hat Hergemöller bereits an "Meteomedia", den Wetterdienst von Jörg Kachelmann, und "Skywarn Niedersachsen", den Ableger des europäischen Unwetterwarndienstes "European Skywarn", weitergeleitet. "Beide werden sich eventuell noch einmal um eine genauere Analyse kümmern", schreibt Hergemöller in seinem Bericht abschließend.

(Original-Artikel “Ibbenbürener Volkszeitung” vom 08.06.2004)

 


 

Bilder und Beobachtungen aus Schlickelde

 

Recke-Tornado (2)02

Recke-Tornado02

 

Auch an der Wetterstation Mettingen-Schlickelde, etwa drei Kilometer südlich des “Tatorts” an der Straße “Am Wall”, wurde der Tornado registriert. Nur durch einen großen Zufall bemerkte ich um 17.40 Uhr am frühen Abend die auffälligen und rotierenden Wolkenformationen am nördlichen Himmel. Leider erst weitere zwei Minuten später hatte ich dann schließlich auch meine Digitalkamera zur Hand und konnte die obigen (deutlich kontrastverstärkten) Fotos machen.

Die beiden Aufnahmen entstanden um 17.42 Uhr und 29 Sekunden (links) sowie um 17.42 Uhr und 44 Sekunden rechts. Sie zeigen schließlich noch die letzten Reste des Tornados, der sich zu diesem Zeitpunkt gerade auflöste und zeitweise weit in die zugehörige Wolkenbasis zurückzog (linkes Foto). Eine leicht “verdrehte”, spiralartige Form des sterbenden Rüssels, der noch auf restliche Rotation hinweist, ist im rechten Foto zu erkennen.

 

Ausschnitt aus dem Schlickelder Wettertagebuch zur allgemeinen Wettersituation am 04. Juni 2004:

“Morgens und mittags bedeckt, leicht neblig-trüb, sehr temperaturkonstant und meist Sprühregen oder, besonders mittags, auch Regen. Ab etwa 13 Uhr dann weitgehend trocken, ab ca. 14 Uhr Auflockerungen und um 17 Uhr wolkig. Recht feuchte Luft und dunkle Gewitterzelle mit einem Donner im Nordnordwesten, nachfolgend in nur wenigen Kilometern Entfernung mit mehreren kräftigen Donnern nördlich vorbeiziehend. Nach Infos aus dem Wetterzentrale-Forum hat die Zelle nachfolgend Osnabrück mit Hagel und 17,6 mm Niederschlag pro Stunde getroffen! Abends dann weitere Schauerzellen vorbeiziehend. Später meist bedeckt oder stark bewölkt und zeitweise etwas Regen. Nachts keine wesentliche Änderung, teils frischer Wind.”

 

040604a03Im Niederschlags-Radarbild vom 4. Juni 2004, 17.45 Uhr (Quelle: www.wetteronline.de) ist deutlich die kleinräumige aber sehr starke Gewitterzelle über dem nördlichen Kreis Steinfurt zu erkennen, die mit ihrem zugehörigen Tornado zu diesem Zeitpunkt gerade den Schadensort bei Recke überquert hatte. Durch Anklicken des Bildes können Sie in einer Animation nochmals schön die Zugbahn und Entwicklung der Zelle verfolgen.

Auch in den Datenkurven der Schlickelder Station (zur Vergrößerung bitte anklicken) hinterließ der Tornado oder zumindest die zugehörige Gewitterzelle einen eigenen Fingerabdruck. Als Beispiel seien hier einmal die Messreihen des Luftdrucks und der Helligkeit herausgegriffen. Deutlich erkennt man bei Annäherung der mächtigen Gewitterzelle ab etwa 17.30 Uhr einen markanten Einbruch der bis dahin hohen Helligkeitswerte. Einen kleinen Knick hinterließ das Gewittersystem auch in den Luftdruckregistrierungen. Da sich das Schlickelder Messgerät mit einer Distanz von etwa drei Kilometern allerdings viel zu weit vom nur maximal 50 bis 100 Meter breiten Tornadorüssel entfernt befand, dürfte das registrierte Luftdruckminimum jedoch nicht vom Wirbelsturm selbst sondern vielmehr von der Dynamik des gesamten Gewittersystems verursacht worden sein.

 
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Im folgenden noch ein kleiner Bilderbogen von der Besichtigung des “Touchdown”-Punktes am 7. Juni 2004, drei Tage nach dem Tornado (zur Vergrößerung bitte jeweils anklicken):
 

Recke 3

Recke 4

Recke 5

Recke 6

Recke 7

Recke 8

Recke 9

Recke 10

Recke 11

Recke 12

 


 

Weitere Infos und Analysen zum Tornado von Recke finden Sie hier in der Tornadoliste von Thomas Sävert.

Falls Sie weiteres Material (Fotos, Zeitungsartikel, Augenzeugenberichte) zum Tornado von Recke besitzen, melden Sie sich bitte bei mir.

 


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