Logoneu

Banner4++02020206

Seit dem 26. August 1989 werden in Mettingen-Schlickelde im Kreis Steinfurt (NRW, 20 km westnordwestlich von Osnabrück) tagtägliche Wetterbeobachtungen durchgeführt und bis heute weitgehend lückenlos aufgezeichnet. Während das Messprogramm anfangs nur aus den nächtlichen Tiefsttemperaturen eines jeden Tages bestand, wurde es im Laufe der Zeit kontinuierlich ausgeweitet. So folgte ab dem 24. Mai 1991 neben den bisherigen Temperaturminima auch die tägliche Messung der Höchsttemperatur und gut dreieinhalb Jahre später, am 1. Januar 1995, wurde der erste Schlickelder Niederschlagsmesswert erfasst. Station10201402Acht Tage später erfolgte dann der Startschuss zu durchgehenden, bis heute ebenfalls lückenlos aufgezeichneten Augenbeobachtungen, so dass es heute möglich ist, für jeden einzelnen Tag seit Januar 1995 den Wettercharakter und den jeweiligen Wetterverlauf über den betreffenden Tag zu rekonstruieren.

 

Bis zum Jahre 2000 wurden aber speziell die Messungen von Lufttemperatur und Niederschlag nur mit einfachen, kostengünstigen Geräten aus dem Gartenfachhandel durchgeführt, die weder den entsprechenden Richtlinien für meteorologische Messungen entsprachen, noch nach diesen aufgestellt waren. Das änderte sich dann grundlegend mit der Errichtung einer professionellen, halbautomatischen Wetter- und Klimastation im Februar 2000. (Foto: Die Wetterstation Mettingen-Schlickelde im Oktober 2014)

 

 

Der weitaus größte Teil der Messgeräte und Systemkomponenten stammt von der Firma "Thies Clima" aus Göttingen, deren Geräte den Forderungen der WMO (World Meteorological Organisation) entsprechen und bei zahlreichen nationalen und internationalen Wetterdiensten (z.B. DWD oder "Meteogroup") Verwendung finden. Weitere Bezugsquellen der Schlickelder Geräte sind die Firma "Lambrecht", ebenfalls aus Göttingen, sowie das finnische Unternehmen "Vaisala", einem der größten Produzenten meteorologischer Sesorik weltweit.

 

Vom Februar 2000 bis zum September 2002 stand die Wetterstation auf einem weitgehend naturbelassenen Wildgrundstück an der Schlickelder Wöstenstraße zwischen den Hausnummern 74 und 76 , musste dort allerdings dem Bau eines Wohnhauses im Herbst 2002 weichen. Der neue, heutige Standort an der Kreuzung Wöstenstraße / Nagelmanns Moor (52°20´22,16´´ N / 7°45´28,59´´ O / 56,43 m. ü. NN), der zunächst nur aus einem Provisorium bestand, konnte in den folgenden Monaten dann Stück für Stück den erforderlichen Bedingungen für meteorologische Messungen angepasst werden und entspricht seit dem Mai 2003, soweit es die eingeschränkten örtlichen Gegebenheiten erlauben, größtenteils den Forderungen des Deutschen Wetterdienstes für automatische Klimastationen. Seit dem 7. Februar 2004 präsentiert sich die Wetterstation auf einer eigenen Internetseite.

 

Das Messsystem der Wetterstation Mettingen-Schlickelde, welches anfangs nur aus einigen wenigen Messwertgebern bestand, wurde in den nachfolgenden Jahren fortlaufend erweitert. Heute (April 2015) umfasst das meteorologische Messprogramm in Schlickelde ein kontinuierliches Monitoring folgender Parameter:
                                                                                                 

  •   LogoneuLufttemperatur 2m (ventiliert)                        
  •   Lufttemperatur 2m (Klimahütte) 
  •   Lufttemperatur 5cm
  •   Erdbodentemperatur (5, 10, 20 und 50cm Tiefe)
  •   Erdbodenfeuchte (5, 20 und 50cm Tiefe)
  •   Relative Luftfeuchte 2m (ventiliert)
  •   Luftdruck (QFF, QFE)
  •   Niederschlagsmenge (Hellmann)
  •   Niederschlagsmenge (Wippe)
  •   Niederschlagsmenge (Laser-Disdrometer)
  •   Niederschlagsart
  •   Niederschlagsdauer
  •   Windgeschwindigkeit
  •   Windrichtung
  •   Globalstrahlung
  •   Sonnenscheindauer
  •   Potentielle Evapotranspiration nach “Wendling” (Berechn. aus Temp., Feuchte, Globalstrahlung u. Windgeschw.)
  •   Evapotranspiration (gemessen mit Piché-Evaporimeter)
  •   Windgeschwindigkeit u. -richtung 2m Höhe (Ultraschall-Messung)
  •   Niederschlagsmenge (Radarmessung)
  •   Schneehöhe

 

sowie einige weitere aus diesen Werten abgeleitete Größen, wie z.B. die "Gefühlte Temperatur", die "Taupunktstemperatur" oder die “Absolute Luftfeuchte” (Gramm Wasser pro m³ Luft).

Mit Ausnahme des kapazitiven Luftdruckgebers, der zum Schutz vor Fehlerbeeinflussung in einem temperaturstabilen Raum im Gebäude untergebracht ist, befinden sich alle Messwertgeber (Sensoren) auf dem Messfeld am "Nagelmanns Moor".

 

 

7Zur Übertragung der Messwerte befindet sich am Hauptmast-Sockel der Station ein Schaltkasten mit über 40 Verteileranschlüssen, in dem alle Kabel der einzelnen Messwertgeber zusammenlaufen und über mehrere, etwa 40 Meter lange Erdleitung mit dem "Gehirn" der Station, dem sogenannten Datalogger (Foto links, bitte anklicken), im Haus verbunden sind. Im Sekundentakt werden von diesem Datalogger automatisch alle Messwertgeber abgefragt und aus den einzelnen Sekundenwerten ein arithmetischer Mittelwert (10min-Mittel) bzw. beim Niederschlag eine 10min-Summe berechnet. Diese Mittelwerte werden dann in einem internen 256 KB-Ringspeicher abgelegt, der über eine Pufferbatterie selbst bei totalem Stromausfall gegen Datenverlust gesichert ist.

 

In einem zweiten Ringspeicher werden zusätzlich die Maxima und Minima aller Sekundenwerte der Messwertgeber abgespeichert. In regelmäßigen Abständen werden die Speicherdaten über eine Übertragungsleitung zum PC in ein Datenverarbeitungs- und Archivierungsprogramm ("Mevis") eingespeist. Andre+02Im Notfall ist alternativ auch die Datensicherung über eine Speicherkarte und ein zugehöriges Lesegerät möglich. Die Versorgung von Datalogger, Messwertgebern, Ventilation, Sensorheizungen usw. erfolgt über mehrere 24 Volt-Wechselstrom- und eine 19 Volt-Gleichstromleitung. Bei Stromausfall wird automatisch auf Akkuversorgung umgeschaltet, so dass diesbezügliche Messausfälle weitgehend vermieden werden können.

Die gesamte Anlage wird regelmäßig überprüft und gewartet. Dies geschieht einerseits mindestens monatlich durch Vergleichsmessungen mit eigenen, geeichten Referenzgeräten (Temperatur-, Luftfeuchte-, Niederschlags-Geber usw.), andererseits durch jährliches Einschicken entsprechender Messwertgeber zur genauen Überprüfung ins Labor der "Adolf Thies GmbH" in Göttingen.

 

Im Mai 2011 wurde die Station als Teil eines der größten und dichtesten meteorologischen Messnetze Europas, zur ARD- bzw. WDR-Wetterstation umgebaut. In 10minütigen Intervallen werden die Daten via GPRS-Modem von der Zentrale des Wetterdienstes “Meteomedia” im schweizerischen Appenzell abgefragt und fließen über komplexe Modellrechnungen u.a. in die Prognosen der ARD und des WDR sowie in Unwetterwarnungen, Forschung und Klimagutachten ein. Im März 2014 wurde der bisherige Wetterdienst “Meteomedia” und damit auch das gesamte Messnetz komplett von der “MeteoGroup”, einem der größten privaten Wetterdienstleister der Welt mit Niederlassungen in 15 Ländern, übernommen.

 

StrahlungsschutzvergleichMeteoGroup-web_onWhite02Desweiteren dient das Schlickelder Messfeld seit dem Sommer 2013 auch als Testgelände für meteorologische Sensorik und Datenverarbeitung. Verschiedene Messverfahren und Stationstypen unterschiedlicher Hersteller werden in hochaufgelösten Vergleichszeitreihen einander gegenübergestellt, die Ergebnisse dokumentiert und ausgewertet. Ein Beispiel sind etwa Trägheitsvergleiche zwischen klassischen Flüssigkeits-Stationsthermometern und heutigen, z.T. sehr viel reaktionsschnelleren Widerstands-Temperatursensoren. Die Ergebnisse sind beispielsweise wichtig für die Beurteilung alter, weit zurückreichender Klimamessreihen. (Foto rechts: Versuchsanordnung zur Aufnahme einer Vergleichsmessreihe zur Bewertung verschiedener Strahlungsschutzmodelle unterschiedlicher Hersteller. April 2014)

 

Eigentümer und Betreiber der Wetterstation sowie selbst für die Messnetzleitung der “MeteoGroup” tätig ist der Mettinger Andre Hergemöller.

 

 

 


 

Anmerkung:  Alle auf dieser Webseite veröffentlichten und auf Anfrage gelieferten Daten und Beobachtungen sind Eigentum der Wetterstation Mettingen-Schlickelde. Eine Verwendung und Weiterveröffentlichung, die über rein private Zwecke hinausgeht, beispielsweise im Rahmen von Gutachten, wissenschaftlichen Arbeiten o.ä., ist ohne die ausdrückliche Erlaubnis des Stationsbetreibers nicht gestattet.

 


Seitenanfang